C. M. Brendle Verlag

   
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Urlaub bei Freunden

 

Würde ich gerne Urlaube bei Freunden verbringen? Sogar dann, wenn ich jung verliebt oder verheiratet wäre? Nein. Ich bin gelegentlich mit Freunden zusammen verreist, aber dann hat jeder selbst bezahlt. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn die Freunde eine Villa an besonders attraktiven Standorten hätten, mit Swimmingpool und Champagner und Glanz und Glamour.  Aber auch dann hätte ich nicht jeden Urlaub bei diesen Freunden verbracht. Ich wäre mir auf Dauer als ausgehalten vorgekommen, besonders, da diese Freunde sicher keine Urlaube in meinem bescheidenen Heim verbracht hätten. Mit Swimmingpool und Champagner könnte ich auch nicht dienen.

 

Ich habe 2009 einen viertägigen Urlaub in Berlin verbracht, in der Studentenwohnung meiner Tochter. Mehr war damals nicht drin. Der Flug mit Air Berlin (hin und zurück) hat 88 € gekostet. Leider musste ich einen Tag früher als geplant zurück kommen, weil ich in ehrenamtlichem Engagement, mit Schülern ein Buch machen wollte. Es war die letzte Chance die Schüler noch vor den Ferien zu treffen, um sie auf das Projekt vorzubereiten. Für die Umbuchung hat Air Berlin 140,00 € Umbuchungsgebühr verlangt. Beinahe das doppelte zusätzlich, für die gleiche Leistung, nur einen Tag früher. Das Flugzeug war auf dem Hinflug halb leer, wie auf dem Rückflug. Das war bestimmt einen Tag später nicht anders. So ging es mir auch schon, sagte ein anderer Fluggast. Die Frau musste einmal wegen einem Todesfall früher nach Hause.

Die Fluggesellschaft verwies als Antwort auf mein Schreiben wegen der hohen Umbuchungsgebühr, auf ihre AGB. Unmittelbar danach erfuhr ich aus den Medien, dass eben dieselbe Fluggesellschaft Herrn Wulff, damals noch Ministerpräsident, einen Flug von der Touristenklasse kostenlos auf Business-Class upgegradet hat. Herr Wullf bekam also zu den kostenlosen Urlauben bei seinen reichen Freunden auch noch Geschenke auf dem Flug dorthin. Auf ein erneutes Schreiben an die Air Berlin, bei wie vielen Normalbürgern, Witwen, Alleinerziehenden, Arbeitslosen und gering Verdienenden sie abkassieren würden, um gut verdienenden Ministerpräsidenten so großzügige Geschenke zu machen, habe ich keine Antwort mehr erhalten.

 

 

 

Es bezahlt also immer jemand für solche Geschenke. Und auch die Geschenke sind natürlich nicht wirklich kostenlos. Reiche umgeben sich gern mit einflussreichen Menschen. So sind sie erfolgreich geworden. Das weiß auch der Politiker Wulff.

 

Kurz nach der Flugaffäre kritisierte Wulff, dass die Menschen mit Politikern so respektlos umgingen.
Auch im Interview gestern ließ er anklingen, dass so ein Umgang mit Politikern – wie es gerade mit ihm geschähe - dazu führen könnte, dass niemand mehr Lust haben könnte, ein öffentliches Amt zu bekleiden.

 

Was für eine Vorstellung? Einfach schrecklich, niemand will mehr Politiker werden!

Aber, ein paar gibt es ja noch. Und im Notfall würde auch ich das Amt des Bundespräsidenten übernehmen. Ich verspreche, ich würde nicht bei reichen Freunden Urlaub machen. Urlaube könnte ich mir dann selbst leisten. Dann könnte ich mir auch normale Kreditkonditionen leisten, mit dem Versorgungsbezug eines Präsidenten sind diese immer noch wesentlich günstiger, als die für den Normalbürger. Auch die Rente eines Präsidenten, 200.000 € pro Jahr, bis zum Lebensende – vielleicht nach nur wenigen Jahren Amtszeit - würde es mir sehr erträglich machen während der Amtszeit in der Öffentlichkeit zu stehen. Auch all die vielen Reisen – fünf Länder in zehn Tagen, würde ich gerne absolvieren!

 

Herr Bundespräsident, wirklich, mein Mitleid hält sich in Grenzen.
 

Christine Brendle