|
C. M. Brendle Verlag |
||||
|
|
||||
|
Leseprobe aus "Das Geheimnis der Partisanen-Tora" von Dankwart Paul Zeller
Brief aus Venedig von Mascha Kaléko
Venedig gilt als Ziel der Hochzeitsreise. Ganz solo fühlt man sich hierorts als Waise. Die kleinste Gondel hat für Zweie Platz. Und ›Baedeker‹ ist schwerlich ein Ersatz … Im Markusdom und anderswo erkennt Sogar der Laie frühen Orient; Byzanz, Judäa, Griechenland, archaisch… Mir scheint so manches Mosaik mosaisch.
In Santa Maria della Salute Hingegen war mir katholisch zumute. Doch über dem Weihrauch und über den Messen Hab ich jenes alte Warum nicht vergessen: - Warum nur, wenn alle Maria vergöttern, Verfolgt man Mariens judäische Vettern? Statt Antwort kam Geläut der Versperglocken, Gemischt mit gregorianischem Choral. Und auf der Brücke über dem Kanal, Im Ghettoschatten sah ich Shylock hocken. …
DAS ENDE DER SCHWARZEN PEST 1630
I
Seit einer Stunde steht Nicolo Contarini auf dem kleinen Balkon des Palazzo Ducale, das frisch gestärkte Mundtuch unter das Kinn geschoben, diesen schwachen Schutz gegen die Erreger der Pest. Müde und wie zum Standbild erstarrt blickt der Doge auf das unbelebte Pflaster der Piazza, das nach dem kurzen Regenschauer im Abendlicht glitzert wie ein rötlich flimmernder See, dessen Ufer von den ungezählten Arkaden am Nord- und Südrand durchbrochen scheint. Er kann sich nicht lösen von den höllischen Bildern, die in den zwei Jahren gerahmt waren vom Riesenquadrat des Platzes, von dem die engen Häuserschluchten sich abzweigen in die Parochien und Sestieren der Lagunenstadt. »Oh Madonna!« Jeden Morgen, wenn sich der Himmel über den Inseln im Osten gerötet, wenn der Schlaf ihn geflohen hatte, wenn er beim dumpfen Frühgeläut vom Campanile ans Fenster trat zum Morgengebet, zum Ave Maria und Vaterunser, dann war auch die Piazza erwacht. Aber das geschäftige Treiben, auf das er geschaut hatte, das hastige Geläufe war nicht dem Leben gewidmet. Das früher so frohe Gerufe und Hantieren der Händler und Marktleute, das Kommen und Gehen der ersten Käufer und später am Tag die Spiele der Komödianten und Musikanten - sie waren dem stummen und eiligen Dienst am Altar des schwarzen Todes gewichen. Schnellen Schrittes, als wolle man dem raffenden Jäger entkommen, in wehenden Mänteln, mit selbst genähten Schutzmasken im Gesicht, liefen sie, die vom Rat der Stadt bestallten Gehilfen, hetzten mit ihren Tragbahren in die Wohnquartiere von Haus zu Haus, von Tor zu Tür, um die dort abgelegten, in der Nacht Gestorbenen wie Erntegarben an den Rand der Piazza zu legen. Zwischen den Hin- und Rückeilenden hatte er immer wieder - welch absurdes Bild - den Dottore Roberto Gardini entdeckt, wie er hastend, im knöchellangen schwarzen Mantel, das Gesicht mit der schnabelartigen weißen Pestmaske bedeckt, zu den eingewickelten Körpern ging, um sich von ihrem Tod zu überzeugen. Auch die höchste Flut des acqua alta wird diese Bilder nicht löschen können: Wie die schwer schuftenden Träger ihre Lasten herausschleppten aus der gefährlichen Enge der Gassen und sie aufhäuften am Rand der Piazza, weil die Fuhrleute der Schinderkarren nicht nachkamen, nicht mitkamen mit dem rasenden Schnitter. Es waren oft Hunderte an einem Tag, die bis zum Dunkelwerden wegzukarren waren. Fast jeder Dritte der 160.000 Venezianer war dem Tyrannen zum Opfer gefallen.
Und nun diese Wende, dieses Wunder! Die leere, vom Regen gereinigte Piazza San Marco, auf die sich noch keiner der Bewohner aus den Häusern hinaustraut, dieser riesige Freilichtsaal der Bürger - wie von Zauberhand befreit von den Insignien der Hölle! Die letzten an den Arkaden gestapelten Menschenleiber waren zur Mittagszeit weggefahren worden. Maria benedetta! Dein Wunder ist es, dass der Alp vorüber, der Höllenschlund verschlossen ist, rätselhaft plötzlich, wie auf himmlischen Befehl.
Vor einer Stunde ist der Dottore gegangen. Er war in den dunkel getäfelten Saal gestürmt ohne anzuklopfen: »Don Nicolo, es ist vorbei! Maria sei Dank - der Pestteufel hat sich ausgetobt ...« Heftig atmend war er in der Mitte des Saales stehen geblieben: »Zwölf Stunden haben wir alle Straßen und Plätze durchsucht, haben unser Kommen ausrufen lassen und um Meldung gebeten, und wir fanden keinen mehr, der mit dem Tode ringt. Doge! Wir fanden keinen Toten mehr am heutigen Tag. Du weißt, ich bin Arzt und es fällt mir schwer, an Wunder zu glauben. Aber wie kann ich diese zwölf Stunden anders deuten, wie soll ich mir dieses Geheimnis erklären? Waren es unsere Gebete, unsere Reue und Buße …?« »Roberto!« der Doge war aufgesprungen, hatte den brokatbespannten Stuhl fast umgestoßen, war auf den Besucher zugeeilt, um ihn an sich zu drücken viele Atemzüge lang, ein unermesslicher Augenblick seliger Erlöstheit. Als er ihn endlich aus der Umarmung entließ, straffte sich seine Gestalt und er blieb minutenlang in sich versunken vor dem Dottore stehen. Endlich zuckte sein Mund und die bohrende Frage drängte über die Lippen: »Sag mir Roberto, wenn ich glauben soll, was du kündest - und ich will es von Herzen, wie habe ich diese Botschaft ersehnt Tag um Tag - wenn ich glauben darf, dass es wahr ist, dann sage mir Eines, sag mir warum das alles geschehen ist, warum sie geschehen musste, diese Prüfung über zwei Jahre hinweg, dieses Gericht - oder war es ein rasendes blindes Verhängnis des sinnlos wütenden Schicksals?« Der Dottore hatte an ihm vorbeigesehen mit hochgezogenen Schultern: »Don Nicolo, es kann dir nicht verborgen geblieben sein, was man nach Ausbruch der Pest gemunkelt hat in der Stadt: die Juden! Es könnten die Juden gewesen sein. Ist es nicht seltsam, dass das Ghetto nuovo fast völlig verschont geblieben ist? Sie haben die Ghettotore verschlossen und ihr Geviert so gut wie nie verlassen, nur wenn sie einen Arzt brauchten oder Fisch und Getreide kauften. Sie hätten, so hieß das Gerücht, einen pestkranken Bettler aus Padua mit einem Sack Proviant und Schnaps bestochen und in die Innenstadt geschickt, damit er die Stadt verseuche. Man hat jedenfalls den Leichnam des Taugenichts auf einem Campo gefunden, an den prallvollen Sack gelehnt. Es sollen auch Matzen darin gewesen sein, ein Gebäck, das nur Juden zu sich nehmen. Ich habe damals einige Priester befragt, die dem Verdacht nicht widersprachen. Der Erzbischof allerdings, bei dem ich zu tun hatte, er meinte, man müsse vorsichtig sein bei solchen Gerüchten. Aber ein alter, erfahrener Priester, er ist schon über achtzig, der sagte mir in allem Ernst, es wäre doch nicht das erste Mal, dass sie so etwas täten. In Padua hätten sie Brunnen vergiftet, in der Lombardei Hostien geschändet und sie würden bei ihrem Passahfest das Blut von entführen christlichen Säuglingen trinken zum Hohn auf das Sühneblut Christi. Warum also sollten sie uns nicht die Pest auf den Hals wünschen? Dieser Priester ...« »Hört auf, Dottore!« war Nicolo ihm ins Wort gefallen. »Wenn Gott lebt, wie könnte er solch teuflischen Frevel zulassen? Du bist Arzt und gewohnt, dich an Fakten zu halten. Gibt es einen Beweis für dieses Gerede? Hast du die Matzen gesehen? Kannst du jemanden mit Namen nennen, der sie gesehen hat? Und wenn, - wäre damit bewiesen, dass die Juden ihre eigene Stadt auslöschen wollten? Kann nicht ein Judenhasser die Matzen in den Sack getan haben, um den Verdacht auf sie zu lenken? Ich bin kein Freund der Juden, das weißt du. Ich habe vor Jahren ihre Aufenthaltsregeln verschärft: dass bei Nacht und in der Weihnachtszeit die Ghettotore geschlossen bleiben und sie ihr Viertel nicht verlassen dürfen, und dass sie als Erkennungszeichen einen gelben Armreif zu tragen haben. Aber, mein lieber Dottore, wir müssen sie dulden. Denn bei aller Kunst, sie auszugrenzen, brauchen wir sie als Kaufleute und Geldverleiher; und sie dürfen nicht mehr als fünfzehn Prozent an Zinsen nehmen, dafür habe ich gesorgt und das kann auch euch von Nutzen sein. Das Ghetto Venedigs ist das erste seiner Art im Abendland, ein klug erdachtes Sowohl-als-auch, ein Vorbild für alle, die sich mühen mit der Judenfrage: Wir nehmen ihr Geld und wir pferchen sie ein am Rand der Stadt - so hat alles seine sinnvolle Ordnung. Der Erzbischof ist ein kluger Mann und gerade er braucht ihre Dukaten zum Erhalt unserer Kirchen. Er hat Recht, wenn er zur Vorsicht mahnt - und er hat das achte Gebot auf seiner Seite, vergesst das nicht, Dottore.« »Nun gut«, erwiderte Roberto Gardini etwas kleinlaut, »Beweise für das Judengerücht habe ich nicht und der alte Priester hatte auch keine. Aber das Gegenteil ist auch nicht bewiesen. Wie viel Unglück haben die Juden schon über die Menschheit gebracht seit ihrem Gottesmord auf Golgatha!«. Er war schon wieder in Eifer geraten: »Zutrauen kann man ihnen …« »Lass ab, Roberto! Lass wenigstens jetzt die Juden aus dem Spiel deiner Gedanken. Was uns widerfuhr, wiegt zu schwer, um es den Flattergeistern und Geschwätzigen anheim zu geben. Und alles aus Hass geborene Denunziantentum ist mir zuwider. Wenn es nicht ein böser Wille von Menschen war, muss uns nicht stattdessen die Frage aller Fragen quälen, liegt sie dann nicht am Tage: die Frage nach dem Grunde, nach dem Warum? War es Gott? Oder die Moira der alten Griechen, des Geschickes gnadenlos dreinschlagende Willkür und Gewalt, welche fünfzigtausend Frauen, Männer, Kinder, Greise, Reiche und Arme, Schuldige und Unschuldige, Hoffende und Verzagte, Fromme und Zweifler an sich riss? Ein Drittel der Stadt raffte die Pest ins Reich der Toten. Warum, Roberto, sag mir, warum!« Der Dottore biss sich auf die Lippen und wiegte schweigend den Kopf. »Ich weiß, mein Reden mag lästerlich klingen«, fuhr der Doge nach einer Weile fort, »vielleicht ist’s vermessen, Gott und die Moira im gleichen Atemzug zu nennen, als könnte man gar den ewigen Schöpfer und ein blindwütiges Schicksal gegeneinander aufwiegen. Aber ich weiß auch das andere: die Botschaft, die du mir brachtest, übertrifft alles Fragen, sie rückt alles Grübeln in den Schatten und stellt den Undank an den Pranger. Du warst es doch, der von einem Wunder sprach, du, der studierte Medicus. Ach, Roberto, was bleibt uns denn übrig als stammelndes Staunen? Was du berichtet hast, ist sternenweit von unserem Tun und Können. Mysterium ist’s! Ein Himmelswerk, das uns zu Bettlern macht, zu schwach, das angemessne Lob zu formen… Wir müssen es lassen, was es ist: Geheimnis, das keinem Warum sich beugt. Du hast es trefflich gesagt: der heutige Tag ist in ein Wunder gehüllt anstelle der Leichentücher, und niemand wird uns tadeln, wenn wir dem Mysterium einen Namen geben, indem wir Maria danken, der Heiligsten, die uns vor Gott vertritt.« »Mein Fürst, ich könnte, was uns bewegt, nicht besser in Worte fassen. Morgen werde ich wiederkommen zu genauerem Bericht und Ratschlag.« Der Doge hatte ihm nachgewunken mit der erhobenen Rechten, während er langsam in durcheinander wirbelnden Gedanken hin zum Balkon geschritten war. Er liebte diesen kleinen, von marmornen Säulchen umrandeten Vorbau. Er war ihm eine Art Andachtsort, an dem sich beides ineinander wob: der ungefesselte Blick auf die grandiose Architektur der Piazza, auf dieses pulsierende Herz der Stadt und zur Linken über die hundert Inseln der Lagune hinweg, die sich am flimmernden Horizont in den Himmel schmiegen - und zum anderen das Schauen ins eigene Herz, in die stille Kammer der suchenden Fragen und Zweifel, des keimenden Hoffens und der größer werdenden Wünsche.
II
Eine Stunde war vergangen, seit der Dottore ihn verlassen hatte. Eine Stunde der Versunkenheit und Einkehr, der Wiederkehr dieser Bilder des Infernos, in welchem der Tod sein Fest gefeiert hatte. Als die letzten Strahlen der Abendsonne das Dach des Campanile streiften, schob sich ein glühender Gedanke durch die Wirrsal seiner Empfindungen. Ein trächtiger Entschluss keimte aus dem umgepflügten Grund seiner Seele, der seine rückwärts gewandte Melancholie verblassen ließ: Was hinter uns liegt, dies ohnmächtig erfahrene Grauen, vom Wunder der Heilung beendet, es ist von solcher Schwere, dass wir einen Gegenpart, einen Kontrapunkt, ein Werk der Lebensfülle schaffen müssen, ein Werk des befreienden Lobens und Dankens, beflügelt vom Geist der Demut und auch vom Stolz unsrer geretteten Republik. Wir bauen Maria, die uns gesunden ließ, die schönste Kirche der Stadt am schönsten noch freien Platz: dort drüben am Canal Grande, am Ende des Dorsoduro, vor der Dogana del Mar. »Maria della Salute« könnte sie heißen. Gleich morgen in der Frühe lasse ich die Signoria zusammenrufen und bitte sie um ihr Ja-Wort.
Es gibt Selbstgespräche, die dumpfer Verzweiflung entspringen, die niederdrücken, ins Leere entweichen, und solche die angestachelt sind von einer Vision. Als innen im Saal die Kerzen und Öllampen entzündet waren und der Doge zurückkam aus dieser Stunde der Andacht auf dem Balkon, da war ihm die Wandlung anzusehen. Ein Leuchten war in seinen Augen, von anderswo als von den flackernden Lampen. Es war entflammt in seinem Herzen, das sich anfüllte mit einem Traum vom Neubeginn, von der nährenden Frucht des Dankes für die Genesung der Stadt, für die Befreiung vom Joch der Pest. Es war der Traum von einem Jahrhunderte währenden steinernen Gedächtnis des Wunders. Die Ratsversammlung trat am nächsten Morgen zusammen, Stunden bevor vom Campanile die Glocke zum Mittagsgebet rief. Die Räte, erschöpft und ausgelaugt von der langen, alles überschattenden Qual, sie lauschten ergriffen der Rede des Dogen. Es gab keine Widerrede. Sie ließen sich mitreißen von seiner Begeisterung für den neugeborenen Plan. Nur zwei von ihnen beugten sich in einer Pause tuschelnd zu Signore Queruli, der angeblich Neues erfahren habe über die »jüdische Verschwörung«. Doch keiner wagte es, offen diesen Giftsamen in die Runde zu streuen. Als die Mittagsglocke zu schwingen begann, da schien es für einige, als wären in die ersten Töne die Silben des neuen Namens hinein gewoben: San-ta Ma - ri – aa del - la sa - lu - te … Die Wahl unter den Baumeistern der Republik fiel auf Baldassare Longhena, einen Kenner der Spätantike und der byzantinischen Kunst. Er genoss das Vertrauen der Signoria, als er den stattlichen Bau entwarf. Bewusst wich er ab von der basilikalen Tradition. Ein Zentralbau auf achtseitigem Grundriss, ganz mit Marmor verkleidet, sollte es werden, mit zwei Kuppeln und zwei Campanili, mit sieben Kapellen um den lichtdurchfluteten Innenraum, den die von acht Säulen getragene Hauptkuppel überwölbt. Und die Erbauer, die Steinmetze und Bildhauer, Maurer und Zimmerer, die Stukkateure und Maler, sie durften sich Zeit lassen. Ein halbes Jahrhundert war ausgefüllt mit dem Wachsen dieses Memorials der Dankbarkeit. Bei diesem künftigen Wahrzeichen der Stadt durfte nicht gehetzt und gehudelt werden, und nicht die geringste Schlamperei wurde von Baldassare geduldet. In seiner klar gegliederten Erhabenheit wurde der Bau das einzige italienische Gegenstück zum überbordenden römischen Barock, wie die Kunstkundigen von Venedig später in patriotischem Stolz betonen werden. Nicolo Contarini freilich durfte die Vollbringung seines Traumes nicht erleben, und Baldassare Longhena starb fünf Jahre vor der Weihe des einmaligen, in allen Marmorschattierungen glänzenden Kunstwerkes, das nun ein anderer, Roberto Gaspari, vollenden durfte. Als nach 57 Jahren der Doge Marcantonio Giustinian zusammen mit dem Erzbischof am 21. November des Jahres sechzehnhundertsiebenundachtzig aus Gasparis Händen die Schlüssel der Kirche empfing, legte er im Namen der Signoria ein Gelübde ab vor den Tausenden, die am Tag des Tempelgangs der Jungfrau zum Weihefest geströmt waren: Die Venezianer werden künftig jedes Jahr an diesem Tag zum Zeichen ihrer ewigen Dankbarkeit gegenüber der Jungfrau hier in der Santa-Maria-della-Salute-Kirche zusammenkommen und nach der Messe ein Fest auf diesem Campo feiern. Die Stadt hielt sich an diesen Schwur und feiert das »Salutefest« mit allen Beigaben eines Campo-Festes noch heute.
Doch es lastete auf dem Ganzen auch ein nie gelöschter, aus vielen Jahrhunderten überkommener Schatten, der außerhalb des Ghettos von niemandem wahrgenommen ward, nicht von den Mächtigen in Kirche und Staat und schon gar nicht vom christlich getauften Volk, das gewohnt war, für gut zu halten, was Priester und Ratsherren kündeten. Eine fast unbeachtete Szene, welche in Wahrheit die bleibende Last einer abendlandalten Tragödie aufblitzen ließ, muss deshalb hier erwähnt werden. Beim Weihefest war ein turbulentes Gewirbel entstanden, als der Doge zusammen mit dem Erzbischof zum ersten Mal feierlich das Kirchenportal öffnete und die Massen mit aufgeregtem Geschiebe in das noch unberührte Heiligtum wollten. Auf der untersten von sechzehn Stufen der breit angelegten, majestätischen Treppe zur Kirche stand Don Samuele mit seiner Frau Sarah und starrte unentwegt über die Köpfe der nach oben Drängenden hoch zum lorbeergeschmückten Portal der Kirche, diesem von einem byzantinischen Bogenrund gekrönten Meisterwerk. Der Doge hatte auf Vorschlag des Bischofs den Bankier aus dem Ghetto zur Einweihungsfeier geladen. Eine noble Geste voll tolerantem Edelmut, wenn man darüber hinwegsah, wie viele tausende Dukaten Don Samuele dem Erzbischof zu Vorzugszinsen geliehen hatte für den Bau dieses Gotteshauses. War es denn ein Gottes-Haus, oder eher ein Santa Maria-Haus? Der Bankier war ein orthodoxer Jude, der die jüdischen Rituale, die Reinheits- und Speisegebote und die Shabbatregeln genauestens einhalten wollte. Der Geldverleih an die Christen stand dem in seinen Augen nicht im Wege. Er las viel in der Tora und war in regem Gedankenaustausch mit Rabbi Moishe von der aschkenasischen Synagoge des Ghettos; und dieser hatte so seine Zweifel, wo die Grenzen sind für Geschäfte mit Christen. Kein Wunder also, dass er mit gemischten Gefühlen und geschärften Sinnen den heutigen Tag erleben würde. Samuele hob plötzlich erregt seinen Arm und sagte lauthals: »Schau dir das an, Sarah, dort oben in dem Tympanon, im Giebelfeld des Portals dieser achtzackige goldene Stern, und dasselbe über den Seitenkapellen, überall ein Stern mit acht Strahlen! Warum verschmähen sie unseren Davidstern mit den sechs Ecken? Ist König David nicht auch der Ahnherr ihres Jesus, dieses Prachtjuden aus Nazareth? Und Maria! In ganz Venedig wimmelt es nur so von Marias und hier erst recht: ›Maria della Salute‹! Warum haben die Goijs sie nicht gelassen, was sie war, ein Judenmädchen, eine einfache jüdische Magd, Stallmagd oder Dienstmagd, was weiß ich. Einen Judenknaben hat sie geboren, der später ein wichtiger Mann wurde. Ich gestehe ihm sogar zu, dass er ein großer Rabbi war, ja gar ein Prophet. Aber was haben die Goijino aus seiner Mutter und damit aus ihm gemacht?« Seine Rede kam in Fahrt. »Die allerheiligste Gottesmutter, die Gottesgebärerin! Als Himmelskönigin wird sie angebetet, die alles kann und gar die Pest besiegt. Ja doch, eine Art Gottheit haben sie aus ihr gemacht, und für mich ist das lästerlich! Sie berufen sich dabei auch noch auf den Propheten, auf Jesaja. Der hatte gesagt: »Siehe, eine junge Frau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen ›Immanuel‹, das heißt ›Gott mit uns‹.« Und was konstruieren die Christen daraus? Sie verdrehen den Sinn des Spruches und behaupten, Jesaja hätte die Geburt des Jesus als Messias voraussagen wollen - und aus der ›jungen Frau‹ machten sie flugs eine Jungfrau …« Sarah, diese zierliche, schwarz gelockte Frau mit ihren tiefdunklen Augen, hielt sich erschrocken die Hand an den Mund: »Nicht so laut, sprich nicht so laut, man hört uns, dort kommen schon zwei Uniformierte auf uns zu!« Samuele ließ sich beruhigen. Er fuhr mit gesenkter Stimme fort, um das noch loszuwerden, was aus ihm, dem frommen Juden, herauswollte, angestoßen durch den Blick auf den achtzackigen Stern im Giebelfeld: »Dort drinnen, so wurde mir gesagt, steht nicht nur eine Riesenstatue der so genannten ›Gottesmutter‹, die auf Bitten der Venezia die Pest verjagt. Auch der Cruzifixus ist mehrfach dargestellt, und der stört mich am meisten. Das ist doch der Hauptgrund für ihr Benehmen gegen uns: Wir seien die Gottesmörder, sagen sie in allem Ernst, als ob nicht die Römer zuständig waren für den Tod des Jesus am Kreuzesgalgen. Und schau dir all die Marmorstatuen an ringsum in den Nischen und sicher auch drinnen: Abraham, Mose, David, die Propheten - man könnte fast meinen, sie meinten es ernst mit unserem Tenach, mit dem ersten ›Testament‹. Aber das Gegenteil stimmt: diese Gestalten stehen nicht für sich, sondern werden gezeigt als Vor - läufer von Jesus, dem ›Christus‹, dem Messias als Hinweiser auf ihn. Mit ihm sei aber die Geschichte vom Bund des Schöpfers mit unserem Volk zum Ende gekommen. Sie haben also unsere Geschichte mit dem Ewigen an sich gerissen. Sie, die Christen, hätten uns abgelöst als Träger der Verheißung, sagen sie. Die Kirche sei an die Stelle der Synagoge getreten. Weißt du was, Sarah? Ich wurde hierher geladen und du weißt, warum. Aber ich werde dieses Haus nicht betreten. Es ist ›Marias‹ Haus und nicht das Haus des Ewigen, nicht ein ›Gottes‹-Haus. Ich bleibe bei unserem ›Schema Israel, adonai elohenu, adonai ächad‹! - Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der alleinige Herr.« Mit diesem Urbekenntnis beendete er seine zornige Rede. Don Samuele nahm Sarah am Arm und die beiden mühten sich, in dem frommen Gedränge gegen den Strom ins Freie zu kommen. Er winkte noch kurz hinauf zum Erzbischof, was ihm die Höflichkeit gebot. Dieser begrüßte am Portal die Eintretenden. Er segnete sie mit dem Kreuzeszeichen und es war nicht klar, ob er den davonstrebenden Samuele wahrgenommen hatte.
Das Weihefest kam an sein Ende. Das Gedränge auf dem Campo vor der Kirche verebbte allmählich in die Gassen des Dorsoduro und hin zur Anlegestelle, wo die Gondeln und Boote auf die Besucher warteten und die Fährmänner gute Geschäfte erhofften. An den Schanktischen rund um den Campo saßen die Unentwegten und ließen noch bei Pinot Grigio und Merlot die vergangenen Stunden Revue passieren. Die Dämmerung senkte sich herab, eine kurze Lieblichkeit überflog den Himmel, als wolle sein Gewölbe sich mit den eigenwillig geformten Kuppeln der neuen Kirche versöhnlich verschmelzen und deren Dankesgelübde besiegeln. Vor dem Salute-Portal, die rechte Schulter an einen Säulensockel gelehnt, stand Marcantonio Giustinian, in tiefes Nachdenken versunken. Auf einmal fiel sein überraschter Blick auf die gebeugte Gestalt im schwarzen Mantel, die sich, gestützt auf den Silberknauf eines Krückstocks, das rechte hinkende Bein nachziehend, der Kirchentreppe näherte. War das nicht Dottore Gardini, der alt gewordene Roberto Gardini, der einst als junger Pestarzt sein Leben aufs Spiel gesetzt und sich die höchsten Verdienste erworben hatte um unsere Stadt? Der Doge eilte dem mühsam Herankommenden über die Treppe entgegen: »Seid gegrüßt, Dottore! Gut, dass Ihr noch kommt, auch wenn es spät geworden ist. Ihr wollt in Ruhe das fertige Werk besichtigen?« »Ach, das hat Zeit, mein Fürst. Ich wohne ja nicht weit von hier auf dem Dorsoduro, auch wenn ich nur noch wenig aus dem Haus komme; meine Enkelin, die mir den Haushalt führt, hütet mein krankes Bein wie ihren Augapfel.« Sie ließen sich auf einer der Treppenstufen nieder. »Nein«, fuhr Roberto fort, »ich wollte zum Erzbischof, jetzt, wo der Festestrubel vorbei ist«. »Der ist vor einer Stunde gegangen. Was wolltet Ihr von ihm?« »Schade! Ich wollte - und das wird euch womöglich wundern bei einem skeptischen Realisten, der ich schon immer war, - und im Alter wurde es nicht besser, im Gegenteil, ich wollte seinen Segen zu meinem gestrigen Geburtstag.« »Wie viel habt Ihr denn auf dem Buckel?« »S'ist kaum zu glauben, mein Fürst, es war der neunzigste. Und ich werde es nicht mehr lange machen. Von der letzten Ölung halte ich nicht viel, aber dem Urgrund aller Dinge, dem grandiosen Geheimnis, das uns umschließt und das wir Gott nennen, ihm gilt meine Ehrfurcht. Der Gottessegen - ach, Doge, ist es nicht so, ohne den Segen, der uns vom ersten Atemzug an zukommt, sollte niemand leben und niemand sterben wollen. Und brauchen wir nicht Vergewisserung, die segnende Hand, die uns aufgelegt wird als Zeichen der Gnade?« »Ihr redet wie ein Priester und zugleich wie ein stiller Rebell. Morgen hält der Bischof die Frühmesse, da könnt Ihr ihn treffen.« »Ich werde kommen«, erwiderte der Dottore und fuhr mit brüchiger Stimmer fort: »Ich ließ mir berichten, Ihr hättet heute morgen im Namen der Signoria ein Gelübde verkündet für ein jährliches Dankfest in dieser Kirche? Das hat mich erinnert an die Stunde vor 57 Jahren, als ich dem Dogen Nicolo Contarini die Nachricht vom Ende der Pest überbrachte. War das ein Tag, und welch langen Disput hatten wir! Damals war ich noch ein Feuerkopf, aber in einem Punkt denke ich auch heute als lahmender Greis noch dasselbe: Es war ein unsagbares Wunder, das uns widerfuhr. Deshalb sind euer Dankesgelübde und diese Gedächtniskirche eine gute Antwort. Und auf die Frage, warum diese Heimsuchung geschehen musste, ist jede Menschenantwort eine Verwegenheit.« »Nun bin ich aber gespannt, wo Ihr heute anders denkt, Dottore.« Roberto Gardini zögerte. Er kannte den Dogen zu wenig, um ihm ohne Hemmung seine heimlichen Zweifel zu offenbaren. Das Eine allerdings, das er längst bereut hatte, konnte er jetzt getrost zur Sprache bringen. Wahrscheinlich war es auch nach einem halben Jahrhundert noch bitter nötig, es hervorzuheben: »Ich will euch nicht verhehlen, dass ich mich damals versündigt habe, als ich dem Dogen von dem widerlichen Gerücht erzählte, die Juden trügen die Schuld an der Pest.« Marcantonio, der seither entspannt die Ellbogen auf die Knie gestützt hatte, richtete sich auf, sah den Dottore von der Seite an und sagte schließlich mit gesenkter Stimme: »Ist euch auch berichtet worden, dass Don Samuele heute zugegen war, der größte Bankier im Ghetto nuovo? Die Kirche hat er allerdings nicht betreten. Aber ich habe ihn nicht nur eingeladen, weil er des Erzbischofs Geldverleiher ist, sondern weil ich am heutigen Tag ein Zeichen setzen wollte, dass wir mit den Juden, solange sie sich an die Verordnungen des Rates halten, künftig im Frieden leben wollen. Auch wenn sie und ihre Religion uns immer fremd bleiben werden, sollten wir uns für dumme Verleumdung oder gar Verfolgung zu schade sein.« Sie schwiegen eine Weile in die aufkommende Abendkühle hinein und Marcantonio spürte nur zu gut, dass den Dottore noch ein Anderes quälte. »Lieber Marcantonio«, fing der zögerlich an, »ich habe nichts mehr zu verlieren und ich appelliere an eure Großmut, wenn ich euch etwas sage, was der Erzbischof nicht ertragen würde. Damals in jener einmaligen Stunde im Palazzo Ducale - ich erinnere mich noch äußerst genau - da bin ich hereingestürmt mit dem Ruf: ›Es ist vorbei, Maria sei Dank‹. Heute frage ich mich - ich hoffe, Ihr versteht mich - warum ich nicht sagte: ›Gott sei Dank‹. Wir verehren die Heiligen, wir verehren Maria, die gehorsame Magd - und Ver-›ehrung‹ kann eine große Tugend sein, je nach dem Objekt der Verehrung, aber glauben wir denn im Ernst, die Heiligen lenkten aus ewiger Ferne von der jenseitigen Welt her unsere Schritte und unser Ergehen? Ich bin Naturwissenschaftler und Arzt. Ich habe gelernt, die Gesetze der Natur und der beweglichen Dinge erforschend zu bewundern, und ich vermag nicht mehr zu glauben, dass die Frau, die Jesus gebar und an seinem Schicksal unendlich litt nach des Schöpfers Willen, dass sie, so heilig sie sein mag, der Pestilenz mit einem Schlag den Garaus zu machen vermochte. Tun wir denn dem Wunder, das wir erfuhren, einen Abbruch, wenn wir uns beugen vor dem Mysterium der Gnade und des wiedergeschenkten Lebens, ohne ihm Bildnis und Namen zu geben? Wenn wir es bewenden lassen bei der Unerforschlichkeit des Ewigen, dem Urgrund allen Seins, in welchem wir ›leben, weben und sind‹, wie es der Apostel in seiner berühmten Athener Rede über den ›unbekannten Gott‹ den wahrheitssüchtigen Griechen erklärte? Genügt das denn nicht? Wiegt denn unser Dank nicht viel mehr, wenn wir ihn nicht anketten an einen heiligen Namen, wenn wir trotz und wegen unsrer Unwissenheit über den Quell des Wunders ihn verknüpfen mit dem Vertrauen in den Geber alles Lebens, den Schöpfer aller Dinge?« »Du willst also damit sagen, wir hätten dieser Kirche den falschen Namen gegeben? Wir hätten sie besser getauft auf ›Dio della Salute‹ oder einfach ›Chiesa del ringraziamento‹, die ›Dankes-Kirche‹?« Roberto war völlig erschöpft. Noch nie fühlte er sich so genötigt, seine innersten Zweifel vor jemand in Worte zu fassen. Schon reute es ihn, dass er sich dazu hat hinreißen lassen, obwohl er der Verschwiegenheit des Dogen gewiss sein konnte und um viele heimliche Gesinnungsgenossen in der Stadt wusste. Es brauchte seine Zeit, bis er sich aufraffte zu einer Erwiderung und es fröstelte ihn inzwischen: »Marcantonio, es liegt mir fern, dieses herrliche Werk der Salute-Kirche herabzuwürdigen und ich weiß sehr wohl, dass in unserer Stadt vor allem beim einfachen, ungeschulten Volk die Madonna der Herzpunkt aller Frömmigkeit ist. Es wäre vermessen, ihm diesen teuren Halt ausreden oder nehmen zu wollen. Ich wollte nur meinen nicht sehr populären Gedanken ein bisschen den Lauf lassen und fühle, dass euch ein offenes Wort lieber ist, als unterdrückte Gedanken und geheuchelte Reden. Verzeiht meine Vermessenheit. Und vielleicht ist es ja gar nicht so wichtig, wie eine Kirche heißt. Wichtig ist allein, dass das Gedenken und der Dank nicht erlöschen, und ich bin froh über euer Gelübde von heute morgen.« Nach längerem Schweigen erhob sich der Doge und sagte zum Abschied: »Dottore, ich bewundere euch, denn ich weiß, was die Stadt euch verdankt, und eure vertrauende Offenheit ehrt mich. Ich werde eure Worte bedenken. Aber bedenkt auch Ihr, dass ich nicht Herr bin über die Glut der Herzen, die unsere Venezianer beflügelt, wenn sie ihr Sehnen nach Trost und Heilung der Madonna anheim geben und ihrer Himmelskraft auch das Undenkbare zutrauen. Lebt wohl, Roberto, und vergesst mich nicht in euren Gebeten. Die Kommenden werden uns verzeihen, dass die Salute ihren Namen behielt.« Gedankenversunken schritt Marcantonio hinüber zu seiner Gondel, während der Dottore müden Schrittes über den still gewordenen Platz zu seiner nahen Behausung ging, von Lujana, der Enkelin, erwartet, die in sorgenvoller Unruhe am Fenster stand.
III
Es war spät im Sommer, ein heiterer Sommer übrigens, mit wenig Wolken und fast ohne Regen, von dem ewig sanften Wind der Lagune belebt und gekühlt. Theophil Böttcher blieb vor der Treppe zur ›Salute‹ stehen und schaute versonnen hinauf zu dem mächtigen, säulenbewehrten Portal. Endlich war er an dem Ort, von dem er in Workuta, jenem berüchtigten Lager in Sibirien, vier Jahre lang geträumt hatte. ›Workuta‹ - das war der Inbegriff für die tiefste Erniedrigung, die einem Kriegsgefangenen zuteil werden konnte als Antwort auf das wahngeschüttelte Inferno der braunen Pest, die viele Millionen Leben ausgelöscht hatte. Es war im späten Frühjahr 1944, als er in Oberitalien verwundet und ins Lazarett nach Padua gebracht worden war. Ein einziges Mal nur konnte er von dort aus für einen Tag Venedig besuchen, bevor er, von dem Schulterdurchschuss genesen, an die Ostfront und später in russische Gefangenschaft kam. Venedig! Dieses Fascinosum hatte ihn seither nie mehr losgelassen. Im Workuta-Lager hatte er sich angefreundet mit Oberleutnant Pfäfflin, einem Kunsthistoriker aus Württemberg. An manchen arbeitsfreien Sonntagen hatte der - trotz oder gerade wegen des quälenden Stumpfsinns der täglichen Maloche - im kleinen Kreis Vorträge gehalten über sein Spezialgebiet: die Renaissance- und Barockzeit. Er konnte nach Feierabend auf der Pritsche stundenlang seinen Wissensschatz ausbreiten. Er erzählte von seinen Auslandssemestern in Venedig, gut bewandert in den geschichtlichen Details der Lagunenstadt, wusste er genauestens Bescheid über die Pestzeit, auch über die Dogen Nicolo und Marcantonio, beschrieb deren Geisteswelt und Charakter, die Entstehungsgeschichte von Santa Maria della Salute; und er konnte geradezu schwärmen von der vielgestaltigen Architektonik der Stadtrepublik. Aber am meisten hatte es ihm die Salute angetan. Am gleichnamigen Fest hatte er selber einmal teilgenommen. Er schilderte es in den buntesten Farben. Ein großer Erzähler war er, ein grundgütiger Leidensgenosse mit einem weiten Horizont, und es war für Theophil ein tiefer Schmerz, dass Pfäfflin noch im vergangenen Winter an einer Lungenentzündung hatte sterben müssen. Umso mehr verdichtete sich in der sibirischen Kälte sein Traum vom sonnig heißen Süden - er konnte nicht heiß genug sein - von Italien, dem Sehnsuchtsland Goethes, und von Venedig, dieser erstaunlichen, dieser kunstgesättigten, dieser morbiden und doch so vitalen Stadt auf den Pfählen in den Wassern der Lagune. ... Leseproben Rezensionen Presse
|
|
||