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Neulich habe ich ein Buch entdeckt. Der Titel war es nicht, was mich zum Kauf bewogen hat. Es war der unglaubliche Plot. Ein Mann kommt nach Hause und findet eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter. Sie ist von Claire und sie macht mit ihm auf diesem Wege Schluss. Das wäre an sich noch nichts Besonderes. Es soll heute ja üblich sein, per Anrufbeantworter, SMS oder E-Mail, eine Beziehung zu beenden. Das Ungewöhnliche ist, er kennt Claire, die hier mit ihm Schluss macht, gar nicht. Unsereins würde darauf tippen, hier hat sich jemand verwählt. Nicht so Virgile, der Held der Geschichte, Hypochonder und ziemlich neurotisch. Er hat ganz andere Befürchtungen. So rast er, mit dem Anrufbeantworter unter dem Arm, auf der Stelle zu seiner Therapeutin. Ich dachte, dieses Buch müsste wirklich jeden gut unterhalten. Ich habe mich geirrt. Es gab Rezensenten, die dieses Buch einfach nur langweilig fanden. Was macht also ein gutes Buch aus? Nun, der eine liebt Schnitzel, der andere Kürbis-Cannelloni mit Rotbarbe und „flüssigem“ Blattsalat, bei einem gibt es an Weihnachten Würstchen mit Kartoffelsalat, beim anderen geräucherte Entenbrust mit Gemüse-Chutney, Dirndlpüree & Winteroxalis. Leben bedeutet Vielfalt, Alltagskost und „Gourmetgerichte“. Jedes schmeckt nicht jedem und nicht zu jeder Zeit. Ich konnte mich nie für Kaviar oder Austern begeistern. Geräucherte Entenbrust mit Gemüse-Chutney, Dirndlpüree (wie immer das sein mag) & Winteroxalis würde ich liebend gern einmal probieren. Herta Müllers Atemschaukel war für mich ein Hochgenuss, während eine meiner besten Freundinnen absolut nichts damit anfangen konnte. Vielfalt ist gut. Wir brauchen gute Unterhaltung, wir brauchen literarische Texte. Alltagskost kann so köstlich schmecken wie ein Festtagsgericht, und beides kann missraten. Unverzeihlich sind redundant aufgeschwemmte Texte oder solche, die durch eine geschwollene Sprache versuchen über sich selbst hinaus zu wachsen. Einfach betäubend sind Texte die mich zudichten, mir keinen Raum lassen für einen eigenen „Film“. Unverzeihlich sind Autoren, die mir fünf und sechs Worte/beziehungsweise Sätze anbieten, wo eines oder einer genügen würde, ganz nach dem Motto: such dir selbst das Beste aus. Gut sind Texte, die in einer klaren präzisen Sprache geschrieben sind, einer Sprache, die das Kopfkino in mir entzündet und Raum für eigene Bilder lässt. Christine Brendle PS: Das Buch um das es am Anfang geht heißt „Die besten Wochen meines Lebens“ und ist von Martin Page.
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